Eine private Krankenversicherung abschließen oder gesetzlich krankenversichert bleiben? Die private Krankenversicherung behalten oder in die Gesetzliche Krankenversicherung wechseln?

Mit diesen Fragen bzw. Entscheidungen sieht sich so mancher im Laufe der Zeit aus unterschiedlichen Gr√ľnden konfrontiert. Grunds√§tzlich sollte man die Entscheidung f√ľr eine private oder eine gesetzliche Krankenversicherung gut abw√§gen. Individuelle Umst√§nde spielen hierbei ebenso eine Rolle wie wirtschaftliche Faktoren. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, √ľberhaupt die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile zwischen der Privaten Krankenversicherung (PKV) und der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu betrachten ‚Äď nicht zuletzt deswegen, da zum einen die Entscheidung f√ľr eine Krankenversicherung in der Regel langfristig ist. Ein sp√§terer Wechsel ist in den meisten F√§llen schwierig bis unm√∂glich. Zum anderen kann eine private Krankenversicherung ohnehin nur unter bestimmten Voraussetzungen abgeschlossen werden.

Wei√üe W√ľrfel mit schwarzen Buchstaben bilden die Wortkombination PKV-GKV
PKV oder GKV? Die Krankenversicherungen unterscheiden sich grundlegend in ihrem System. (© Stockwerk-Fotodesign/adobe stock)

√Ąquivalenzprinzip & Solidarit√§tsprinzip: die Systemunterschiede der Krankenversicherungen‚Äć

Die Private Krankenversicherung und die Gesetzliche Krankenversicherung unterscheiden sich zun√§chst grundlegend in ihrem System. In der PKV gilt das sogenannte √Ąquivalenzprinzip, w√§hrend die GKV dem Solidarit√§tsprinzip folgt.

√Ąquivalenzprinzip in der PKV‚Äć

In der PKV sind die Versicherungsleistungen in vorgegebenem Rahmen frei und flexibel w√§hlbar. Entsprechend k√∂nnen Privatversicherte in gewissem Sinne auch die H√∂he der Beitr√§ge ‚Äěmitbestimmen‚ÄĚ. Diese sind n√§mlich ma√ügeblich abh√§ngig vom Umfang der Leistungen. Daneben werden die Pr√§mien nach individuellen Risikofaktoren (Gesundheitszustand und Alter bei Versicherungsbeginn) festgelegt. Bestandteil des √Ąquivalenzprinzips ist je nach PKV-Unternehmen und Tarif dar√ľber hinaus eine individuelle Beitragsr√ľckerstattung, wenn die versicherte Person keine Leistungen in Anspruch genommen und damit dem Versicherer keine Kosten verursacht hat.

Solidarit√§tsprinzip in der GKV‚Äć

Die GKV hingegen leistet einen Versicherungsschutz nach gesetzlich einheitlich festgelegten Vorgaben, die f√ľr alle Versicherten gelten. Freiraum bzw. die M√∂glichkeit, den Versicherungsschutz selbst individuell zu gestalten, hat man als gesetzlich Krankenversicherter nicht. Die Pr√§mien richten sich nicht nach den Versicherungsleistungen, sondern sind entsprechend der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze unmittelbar an das Einkommen der versicherten Person gebunden. Steigt das Einkommen, steigt auch der GKV-Beitrag. Versicherte mit einem h√∂heren Gehalt zahlen demnach mehr als Versicherte mit weniger Einkommen ‚Äď f√ľr die gleichen Leistungen. Eine R√ľckerstattung der Pr√§mien bei Nichtinanspruchnahme von Versicherungsleistungen sieht das Solidarit√§tsprinzip nicht vor. Die gezahlten Beitr√§ge sind ‚Äěweg‚ÄĚ und kommen der Versichertengemeinschaft zugute.

Spielzeuggeld liegt in den Händen eines Arztes
Anders als in der GKV berechnen sich die Beiträge in der Privaten Krankenversicherung maßgeblich nach den gewählten Leistungen. (© Karolina Grabowska/pexels)

Zugangsvoraussetzungen in der PKV, GKV frei zug√§nglich‚Äć

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen PKV und GKV besteht in den Zugangsvoraussetzungen. W√§hrend die GKV aufgrund der gesetzlichen Pflicht zur Krankenversicherung f√ľr jeden zug√§nglich ist (im Allgemeinen ist jede in Deutschland lebende Person zun√§chst automatisch in der GKV pflichtversichert), m√ľssen f√ľr eine private Krankenversicherung bestimmte Bedingungen erf√ľllt sein.

So k√∂nnen sich abh√§ngig vom beruflichen Status sowie vom Mindesteinkommen grunds√§tzlich nur bestimmte Personengruppen privat krankenversichern. Zudem schreibt die PKV eine Gesundheitspr√ľfung vor. Hier m√ľssen potentiell Privatversicherte Fragen zu ihrem gesundheitlichen Zustand wahrheitsgem√§√ü beantworten. Je nach Ergebnis haben private Krankenversicherer prinzipiell das Recht, Antr√§ge abzulehnen, da gesundheitliche Beeintr√§chtigungen ein Versicherungsrisiko darstellen k√∂nnen.

Umfangreiche Leistungen in der PKV lebenslang garantiert‚Äć

Der gro√üe Vorteil einer privaten Krankenversicherung gegen√ľber einer gesetzlichen liegt in der Art des Versicherungsschutzes und dem Umfang der Leistungen. Die PKV bietet eine umfassende Absicherung s√§mtlicher Leistungsbereiche bzw. medizinischer Leistungen. Dies gilt sowohl f√ľr Basisleistungen (ambulante, station√§re und zahn√§rztliche Behandlungen) als auch f√ľr dar√ľber hinausgehende Mehrleistungen (zum Beispiel Chefarztbehandlung, Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer oder alternative Heilbehandlungen).

Aus unzähligen Tarifen und Tarifarten können sich Privatversicherte ihren Versicherungsschutz individuell und flexibel zusammenstellen. Abhängig vom Umfang der gewählten Leistungen, dem Gesundheitszustand sowie dem Alter bei Versicherungsbeginn ergibt sich die Höhe der Beiträge.

Und: einmal vereinbarte Leistungen gelten in der PKV ein Leben lang. Der Versicherungsschutz kann nur auf Wunsch des Versicherten hin ge√§ndert werden. Eine einseitige K√ľrzung bzw. Anpassung der Leistungen ist weder durch das PKV-Unternehmen noch durch den Gesetzgeber m√∂glich.

√Ąlteres Ehepaar spaziert im Park
Die PKV garantiert einmal vereinbarte Leistungen ein Leben lang. (© Centre for Ageing Better/pexels)

Eingeschr√§nkter Leistungsumfang bei gesetzlicher Krankenversicherung‚Äć

Anders verh√§lt es sich hingegen in der GKV: Die Leistungen einschlie√ülich der Beitr√§ge sind hier durch gesetzliche Vorgaben genau bestimmt bzw. festgelegt und einheitlich geregelt. Sie k√∂nnen vom Gesetzgeber immer wieder einseitig angepasst werden. Die Beitr√§ge sind im Allgemeinen niedriger, daf√ľr ist der Umfang der Leistungen jedoch eingeschr√§nkt und begrenzt sich auf die Basisversorgung.

Allerdings erfolgt auch die √úbernahme der Basisleistungen nur zum Teil (quasi f√ľr das ‚Äěmedizinisch Notwendige‚ÄĚ). Gesetzlich Krankenversicherte m√ľssen in vielen F√§llen Zuzahlungen leisten oder innerhalb der Basisversorgung weitere Einschr√§nkungen in Kauf nehmen. So haben GKV-Versicherte beispielsweise bei Medikamenten oder zahn√§rztlichen Behandlungen einen (erheblichen) Eigenanteil zu tragen und sind bei der Wahl ihrer √Ąrzte dahingehend eingeschr√§nkt, dass diese eine sogenannte Kassenzulassung besitzen m√ľssen. Um dennoch einen ausreichenden Versicherungsschutz zu genie√üen, k√∂nnen GKV-Versicherte f√ľr einzelne Bereiche private Zusatzversicherungen abschlie√üen.

Auch die Abrechnung der Leistungen handhaben die Krankenversicherungen unterschiedlich. In der GKV rechnen √Ąrzte medizinische Leistungen direkt mit der jeweiligen Krankenkasse ab. Privatversicherte zahlen (zumindest ambulante) Behandlungen etc. zun√§chst selbst, treten also in Vorleistung, und reichen die Rechnungen dann bei ihrem PKV-Unternehmen ein. Dieses Erstattungsprinzip erm√∂glicht neben der freien Tarifauswahl und der damit verbundenen Beitragsflexibilit√§t eine gewisse Kontrolle √ľber ihre finanziellen Ausgaben bzw. √ľber ihre Krankheitskosten. Privatversicherten steht es n√§mlich frei, Rechnungen √ľber erbrachte medizinische Leistungen einzureichen oder selbst zu zahlen ‚Äď ein weiterer Vorteil, den die PKV bietet.

Beitragsfreie Familienversicherung in der GKV m√∂glich‚Äć

Eine Besonderheit stellt die Versicherung von Familienmitgliedern dar. Hier bietet die GKV eine kostenlose Familienversicherung: Gesetzlich Krankenversicherte k√∂nnen Ehepartner und Kinder in der GKV beitrags- bzw. kostenfrei mitversichern, ohne dass eine eigene Krankenversicherung erforderlich ist. Hierf√ľr gelten allerdings bestimmte Voraussetzungen. Daher ist eine solche Familienversicherung nicht in jedem Fall m√∂glich.¬†

Im Gegensatz dazu muss in der Privaten Krankenversicherung jedes Familienmitglied extra versichert werden. Speziell f√ľr Kinder und Jugendliche gibt es allerdings besondere PKV-Tarife mit g√ľnstigen Beitr√§gen.